
Das Thema Bildung ist eines der herausragenden Themen unserer Zeit. Jedes Kind hat ein Recht auf optimale Förderung seiner Entwicklung. Ein erfolgreicher Einstieg in die Berufswelt und die dortige dauerhafte Behauptung findet ihre Voraussetzungen in der vorschulischen und schulischen Bildung. Neben dem Aspekt der Bildung ist es bedeutend für mich, dass Kinder wieder verstärkt in das Bewusstsein der Gesellschaft rücken. Die Stadt Rüsselsheim war vor Jahren ein Vorreiter in Sachen Kinderbetreuung. Leider hat man sich aber eine ganze Zeit lang auf dieser Vorreiterstellung ausgeruht und damit versäumt sich weiter zu entwickeln. Durch das Ignorieren anfänglicher minimaler Probleme haben der Sozialdezernent und rot/grün dir derzeitige Situation zu verantworten. Viele Sanierungsbedürftige Einrichtungen, zu wenig bedarfsgerechte Betreuungsplätze, minimalste U3 – Versorgung( 18 Plätze in 20 städtischen KiTas!) sowie einen enormen Fachpersonalmangel.
Auch der zaghafte Versuch der tariflichen Höhergruppierung von Erzieherinnen ist ein Tropfen auf den heißen Stein und muss erst noch von Erfolg gekürt werden. Diesen Schritt hätte man schon vor Jahren gehen müssen, jetzt rennt man der Lohnentwicklung Gemeinden hinterher, die zum Teil schon länger mit höheren Entgelten werben.
Hätte man die Situationsberichte der vergangenen Jahre nicht ignoriert, wäre man in diesem Jahr nicht in eine Situation geraten, die ein Handeln unter Zeitdruck erfordert. Das Fehlen von 110 KiTa- Plätze sowie 81 nachschulische Betreuungsplätze hätte man vorher entdecken können. Hier fehlt vorrausschauendes Denken und Handeln. Eine Unterbringung in Containern muss eine zeitlich begrenzte Ausnahme bleiben. KiTas dürfen nicht zu Großraum-Container-Aufbewahrungsstätten werden in denen der pädagogische Auftrag nicht zu erfüllen ist.
Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern ist eine der wichtigsten Aufgaben für die Zukunft. Dies beinhaltet einen adäquaten Versorgungsgrad der ab 2013 gesetzlich vorgeschriebenen U3 – Betreuung mit Betreuungszeiten die es jedem berufstätigen Elternteil möglich machen soll, dem Beruf nachgehen zu können. Hierzu gilt es, sich mit der gegebenen Finanzlage auseinanderzusetzen und diese Aufgabe gemeinsam mit Bund und Land zu bewältigen. Rüsselsheim hat eine reelle Chance sich in der pädagogischen Frühbetreuung wiedereine führende Stellung zu verschaffen, dies setzt jedoch Kreativität und vor allem Fachverstand voraus.
Rüsselsheim bietet derzeit ein gutes Parallelsystem der nachschulischen Betreuung in Form der Horte und der Betreuungsschulen an. Jede dieser Betreuungsformen bietet den Eltern entsprechend ihren individuellen Anforderungen Möglichkeiten an, die eine wesentliche Attraktivität besonders für junge Familien ausgemacht haben. Da diese einen unterschiedlichen pädagogischen Auftrag haben, ist die Verschmelzung dieser Parallelsysteme nicht wünschenswert. So entscheiden sich zum Beispiel Eltern bewusst für einen Hortplatz, wenn sie einen höheren Personalschlüssel, Ferienbetreuung und erweitertes zeitliches Angebot benötigen. Eltern, die die Betreuungsschule wählen, benötigen im Vergleich aber oftmals nur punktuelle Betreuungszeiten für ihre Kinder und sind damit zufrieden. Hier wäre es nun fatal durch Auflösen der Horte eine sichergestellte, gut funktionierende und etablierte Kinderbetreuung aussterben zu lassen.
Schulkindhäuser sind wichtig und richtig, wenn sie eine bedarfsgerechte Betreuung mit dem dazugehörigen pädagogischen Fachpersonal anbieten und an sinnvollen Stellen eingesetzt wird.
Der Schnellschuss „Bau des Schulkinderhauses“ in Bauschheim ist nicht durchdacht und wird zu Lasten einer wegfallenden Kindertagesstätte vollzogen. Auch hier fehlt die Weitsicht für eine zukünftige Kinderbetreuung auch im U 3 Bereich, in einem wachsenden Ortsteil.
Es gilt gemeinsam mit Elternvertretern, Fachpersonal und Verwaltung ein gutes und ernstgemeintes Fundament zu schaffen. Das Projekt Schulkinderhaus in Bauschheim liegt seit einem Jahr brach und verfügt bis heute über kein der Öffentlichkeit zugängliches Konzept. Die KiTa Rheingauerstraße 43 verweilt immer noch im Containerdorf. Zu diesem Missstand eröffnen sich seit diesem Jahr weitere Baustellen mit der anstehenden Sanierung der KiTa „Zum Büttelacker“ und der Zunahmen der Nachfrage nach KiTa-Plätzen im Stadtteil Königsstädten. Dies ist ein typisches Merkmal der rot/grünen Sozialpolitik. Viele Baustellen werden eröffnet, im Anschluss halbherzig geplant und keine davon wirklich beendet. Dies ist ein verantwortungsloses Verhalten gegenüber Eltern, Bürgern und Angestellten – den politischen Auftraggebern.
Überdies muss Rüsselsheim auf den demografischen Wandel der Gesellschaft reagieren und Instrumente finden, damit strategisch und weitblickend umzugehen um einen jungen Bevölkerungs-zuwachs erzielen zu können.
Da durch die angespannte Haushaltssituation keine Erhöhung der Bauunterhaltungskosten vorgesehen ist, die Containerlösungen aber aus diesem Topf gestemmt werden, ist dies eine Form sozialer Ungerechtigkeit. Dieser Betrag wird den anderen Kitas für die dringend erforderlichen Sanierungsmaßnahmen entzogen. Dies ist klar eine Problemverschiebung und stellt keine Problemlösung dar. Dies kann nicht im Interesse der Eltern und Erzieher sein und es ist auch nicht in meinem.
Es ist nicht Aufgabe der Elternschaft für den Dezernenten Verwaltungstätigkeiten zu übernehmen in Form von erstellen von Baumängellisten und Head-Hunting für Fachpersonal. Es ist Aufgabe eines guten Dezernenten der Elternschaft sein stets weitergebildetes Fachpersonal sowie zeitgemäße KiTa-Einrichtungen anzubieten.
Mein Versprechen das Lachen wieder ins Rathaus zurückzubringen ist eines meiner wichtigsten Anliegen auch im Sozialbereich. Denn nur zufriedene Erzieherinnen können eine pädagogisch nachhaltige Arbeit leisten. Als Oberbürgermeister werde ich mir einen persönlichen Einblick in alle Betreuungsbereiche verschaffen, um aus erster Hand zu erfahren, welche Veränderungen und Verbesserungen notwendig sind. Diese werde ich dann gemeinsam mit der Fachverwaltung in Angriff nehmen.
Ich werde mich für den Erhalt der Schulvielfalt einsetzten. Rüsselsheim ist ein hervorragender Schulstandort, und das muss sich auch im nächsten Schulentwicklungsplan widerspiegeln, der sich an die aktuellen Bedürfnisse der Eltern und Kinder anpasst. Die Organisation und die Inhalte der Haupt- und Realschule müssen deutlich besser mit der Berufs- und Arbeitswelt verzahnt werden. Die Einführung der Mittelstufenschule bietet dafür die beste Voraussetzung und ist gerade in Rüsselsheim eine sinnvolle Ergänzung der Schullandschaft. Unter dem Aspekt der Betreuung und der Integration ist der Ausbau der Ganztagsschulen und der Schulsozialarbeit notwendig. Aber auch die bisherigen CDU-Initiativen zur Ansiedlung von Privatschulen werden wir weiterverfolgen. Bedingt durch die steigende Anzahl der Ganztagsschulen ist es von großer Bedeutung, dass an den Schulen ein Netzwerk von Schule, Sport- und Kulturvereinen und allen anderen Vereinen und Verbänden aufgebaut wird. Damit wird ermöglicht, dass die Jugendlichen auch neben der Schule weiter einem Hobby nachgehen können und auch die Vereine nicht vor Nachwuchsproblemen stehen.
Leider ist in den vergangenen Jahren zu beobachten, dass Familien Rüsselsheim den Rücken kehren, wenn Ihre Kinder in die Grundschule kommen. Dieser Entwicklung gilt es entgegenzuwirken und die Grundschulen zu stärken.
Ich sehe auch in der Stärkung und Förderung von Familien eine Zukunftsperspektive für unsere Stadt. Geeigneter Wohnraum und eine gute medizinische Versorgung, z.B. im GPR-Klinikum, gehören zum Standortvorteil und erhöhen die Bindung an Rüsselsheim. Gesellschaftlich betrachten wir die Familie als eine generationsübergreifende Einheit. Deshalb werden wir uns ebenfalls den Problemen und Sorgen der Senioren widmen.
Die Sozialpolitik ist meine große Leidenschaft und begleitet mich schon mein ganzes politische Leben, sowohl in der Stadtverordnetenversammlung (erst in Mörfelden-Walldorf und jetzt auch hier in Rüsselsheim), im Kreistag und besonders im Hessischen Landtag. Ich will die Stadt Rüsselheim sozial führen und unsere Kleinen und Schwachen nicht aus dem Auge verlieren. Für mich gilt hier der Slogan: Soziale Gerechtigkeit, aber richtig!