Patrick Burghardt
Oberbürgermeister der Stadt Rüsselsheim
 

Stadtentwicklung & Wirtschaftsförderung

Die zurückliegende Weltwirtschaftskrise und das Bangen zum die Zukunft von Opel hat es offen gelegt. Nur wer über leistungsfähige industrielle Kerne verfügt, gepaart mit technischem Know-how, innovativen Produkten und gut ausgebildeten, ordentlich entlohnten und motivierten Arbeitsnehmerinnen und Arbeitnehmer kann in den globalen Märkten bestehen.

Rüsselsheim hat diese Feuerprobe und die Umstrukturierung in der Industrie am eigenen Leibe gespürt. Jetzt sind wir mit begründetem Optimismus dabei, zuzusehen wie das allen Beteiligten abgenötigte Restrukturierungsprogramm bei Opel Früchte zu tragen scheint.

Wir haben gesehen, wie Handel, Dienstleistung und die Stadt Rüsselsheim selbst, in das Auf und Ab des größten Arbeitgebers der Stadt, und der herum angesiedelten Zulieferbetriebe und Dienstleister, mit hinein gezogen wurden. Diese enge Symbiose war auch das Motiv dafür, dass Tausende sich in der Stadt und der Region für eine „Klare Perspektive für Opel“ gemeinsam stark gemachten haben. Im kommenden Jahr feiern wir ein großes Jubiläum. Dann wird Opel 150 Jahre jung.

Wir müssen auch im Hinblick auf die Entwicklung in Deutschland erkennen, dass es die Metropolregionen sind, in denen Wirtschaftswachstum und neuer Wohlstand mit neuen Arbeitsplätzen entstehen. Aus unserer geografischen Lage im Ballungsraum Rhein-Main müssen wir mehr machen als weiterhin im selbstbezüglichen Dornröschenschlaf die alte Zeiten zu betrauern. Ziel muss es sein, Rüsselsheim wieder zur alten Stärke zu führen.

Daraus leiten sich folgende Grundüberzeugungen und Positionen ab, die es gilt als Oberbürgermeister der 10. größten Stadt in Hessen im Bereich der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt Rüsselsheim zu berücksichtigen:

1. Höchste Priorität hat die Entwicklung des Opel-Altwerkes, südlich und nördlich der Bahn. Am Beispiel des Neuen Gymnasiums, die eine Schule des Kreises Groß-Gerau ist, wird sichtbar, wie private Investitionen und öffentliche Nutzung sich gegenseitig fördern.

Das Stocken der Entwicklung im geplanten „Opel-Forum“ und den Museen „Autowerk“ und" Opel Classik“, bedingt durch die Finanzkrise 2009, scheint sich nach ersten Signalen der Eigentümer aufzulösen. Zwischenzeitlich kommen neue Impulse die auch ein stärkeres Engagement der Stadt anregen. Wie z.B. die Ansiedlung der VHS und weiterer Kultureinrichtungen im Bereich des Opel-Altwerkes („Kulturfabrik“). Unter dem Finanzvorbehalt müssen unmittelbare und mittelbare Beteiligungsmodalitäten geprüft werden.

2. Von Seiten der Stadt soll das Mainvorland, der Mainblock, das Schäfergassenviertel und das gesamte Westend in ein Gesamtkonzept eingebunden und kontinuierlich in den nächsten Jahren weiterentwickelt werden



3. Rüsselsheim positioniert sich "als traditioneller Automobilstandort, internationales Zentrum für technische Entwicklung und Dienstleistungen .... Im Geiste Adam Opels“ (Marketingwerkstatt). Mit dem Schwerpunkt „Nachhaltigkeit und Mobilität (Zwischenbericht eMobilität). In enger Zusammenarbeit mit dem Land Hessen wird Rüsselsheim zu einem Zentrum der Entwicklung ausgebaut

4. Forschung und Entwicklung, insbesondere die weitere Verankerung der Hochschule RheinMain in der Stadt Rüsselsheim ist von fundamentalen Interesse für die weitere Entwicklung der Stadt Rüsselsheim. Hier gilt es bereits bestehende Kooperationen weiter zu entwickeln, wie z.B. die Zusammenarbeit der VHS Rüsselsheim mit der Hochschule

5. Bildung und Ausbildung in Rüsselsheim sind für den Wohlstand der Stadt und der geistigen und wirtschaftlichen Unabhängigkeit der Bürgerinnen und Bürger von elementarer Bedeutung für die Zukunft des Standorts. Mit der Kita beginnend, über die Schulen bis zum berufs- und gesellschaftlich bedingten lebenslangen Lernen im Rahmen des Auftrages der Volkshochschule.

6. Wir streben Entwicklungspartnerschaften mit den Nachbarkommunen im Rahmen der interkommunalen Zusammenarbeit der Kommunen am Untermain (Main-Schiene) und im weiteren Kreisgebiet an.

7. Ein besonderes und noch nicht ausgeschöpftes Potential liegt in der Anbindung der Stadt an eine der Hauptmagistralen der Region, nämlich die S-Bahnlinien 8 + 9, die im Viertelstundentakt in Rüsselsheim halten. In wenigen Minuten ist Rüsselsheim vom Flughafen und den großen Städten der Region erreichbar. Dies muss in den Marketingkonzepten Eingang finden. Wir liegen im Zentrum der Region!

8. Die Bereitstellung einer leistungsfähigen und modernen Infrastruktur (insbesondere einer Breitbandversorgung) gehört zum Grundversorgungsauftrag der Kommune und wird mit hoher Priorität verfolgt. Gleiches gilt für die zügige Entwicklung und Bereitstellung geeigneter Gewerbegebiete in der Stadt.

Die Rürup-Studie „Rüsselsheim 2020“ wurde hochgelobt und lange diskutiert. Lediglich die Umsetzung der dringend angeratenen Maßnahmen wurde nur halbherzig oder gar nicht in Angriff genommen. Diese Passivität wirft unsere Stadt weiter nach hinten und ist gegenüber den hier lebenden Bürgerinnen und Bürgern nicht zu verantworten.

Der Frankfurter Flughafen ist der größte Arbeitgeber in Hessen. Es wird Zeit, dass auch die Stadt Rüsselsheim akzeptiert, dass der Ausbau bereits in vollem Gange und nicht mehr zu verhindern ist. Wir werden einen intensiven Dialog mit dem Betreiber Fraport führen, um auf der einen Seite das Beste für die Rüsselsheimer Bürgerinnen und Bürger in Sachen Lärmschutz herauszuholen und auf der anderen Seite mehr Firmen nach Rüsselsheim zu holen. Diese Vorgehensweise praktizieren unsere Nachbarkommunen schon seit Jahren und profitieren erheblich vom Ausbau. Eine weitere passive Haltung und Untätigkeit ist für mich nicht zu akzeptieren.


All diese Ziele kann ich nicht alleine umsetzten. Hierzu brauch ich eine motivierte und gut qualifizierte Verwaltung und die Mithilfe der Bürgerinnen und Bürger Rüsselsheim.